Es fühlt sich ein wenig an wie der letzte sichere Hafen vor dem Aufbruch ins Ungewisse. Momentan genieße ich noch ein paar Tage Ruhe bei meinem Onkel in Griechenland vor dem großen Aufbruch ins Ungewisse, vor dem ersten Schritt auf einem neuen Kontinent, vor den letzten Metern auf mir bekanntem Territorium, vor dem eigentlichen Beginn meines Abenteuers.

Von Rumänien aus habe ich mich, entgegen aller Warnungen meiner rumänischen Freunde, durch Bulgarien auf den Weg nach Griechenland gemacht. Dabei waren einige Horrorgeschichten von Kindesentführungen, einem Baby dem die Niere herausoperiert wurde bevor es wiedergefunden werden konnte, einem Überfall bei dem Auto, Geld und Klamotten abhanden kamen und das Opfer alleine 20km fernab der Zivilisation zurück gelassen wurde. Und das teilweise aus erster Hand. Das gab schon zu denken.

Optimistisch wie ich bin habe ich alle Warnungen ignoriert, das Land ist immerhin in der EU, so schlimm kann’s schon nicht sein, und ein wenig das bulgarische Hinterland bereist. Als Belohnung für die Ignoranz durfte ich ein wunderschönes Land mit atemberaubender Berglandschaft in Zentralbulgarien und viele nette und hilfsbereite Menschen kennen lernen.

Höhepunkt war neben den allgemeinen landschaftlichen Eindrücken das Buzludja Denkmal, ein kurioses Relikt der kommunistischen Geschichte des Landes das an die kommunistische Revolution welche hier ihren Ursprung nahm erinnern sollte. Seit Jahren wird es nicht mehr ernsthaft gepflegt was dem an sich schon kuriosen Gebäude eine noch sürrealere Atmosphäre verleiht.

Faszinierend auf so einer Nord-Süd-Route durch Europa finde ich außerdem immer wieder die schnelle Veränderung der Landschaft von klassischen mitteleuropäischen hin zu südeuropäischen Zügen.

Weiter ging’s nach Griechenland wo ich nach langer Zeit mal wieder meinen Onkel besuchen und die letzten Tage auf europäischem Boden genießen wollte. Außerdem habe ich neue Reifen hierher bestellt, die alten waren sowieso fällig, es musste ein geländetauglicheres Profil her und ich wollte das Reifenwechseln einmal in ruhigem Umfeld vor dem ersten Platten in der Wildnis ausprobieren. So was hab ich ja noch nie vorher selbst gemacht. Gute Entscheidung, es hat mich eineinhalb Tage gekostet bis ich die richtigen Tricks raus hatte.

Geländetauglichere Reifen? Griechenland hat im Hinterland viele Pisten und das Hinterland ist sehr schön also probieren wir sie doch gleich mal aus dachte ich mir. Mit den neuen „Heidenau K60 Scout“ war ich auf den ersten Metern sofort sehr zufrieden wenn da nicht…ja wenn ich da nicht auf dem Weg zu einer alten byzantinischen Ruine, die ich übrigens nie gefunden habe, gleich mal einen Nagel gefunden hätte. Einen Platten mitten in der Pampa nach 24h und keinen 100km mit den neuen Reifen. Schöner Mist.
Nicht zur Strafe, nur zur Übung dachte ich mir, ich wusste ja jetzt was zu tun ist. Mit fehlendem passenden Werkzeug – damit rechnet ja keiner – aber präsenter Improvisationskunst hat es mich zwar einige Nerven gekostet aber die Tage vorher hatten sich gelohnt. Nach 6 oder 7 Stunden, ich musste zwei mal Flicken, lief die Gute am Ende wieder. Merke: In Zukunft ab 3 Uhr mittags Schotterpisten meiden.

Momentan genieße ich die letzten ruhigen Stunden hier und plane meine Route durch die Türkei bevor es dann morgen weiter geht Richtung Istanbul und das eigentliche Abenteuer beginnt.

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2 comments

  • Cony 4. Oktober 2014   Reply →

    Hallo Manuel,

    Ich beneide Dich um Deinen Mut und Deine Neugier und Deine Zuversicht. Du machst Deinen Weg – ganz durchdacht. Wie Du schreibst ist immer noch so, als ob Du es einem erzählst. Nur die Bilder bedeuten, dass Du schon mächtig weit unterwegs bist. Geb auf Dich weiter acht… Hörst Du? LG Cony Theegarten

    • Manuel 7. Oktober 2014   Reply →

      Hi Cony, freut mich, dass es dir gefällt. Mach ich! Danke und liebe Grüße zurück!

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