Montag, der 27.10.2014: Istanbul und das schöne Wetter

Wer jetzt glaubt, dass meine Titelwahl ironisch gemeint sei, der hat ins schwarze getroffen. Denn leider hängt über Istanbul das schlechte Wetter fest und es regnet die meiste Zeit. Dennoch nutze ich die Zeit und bummle wieder durch die Gegend. Nach dem Besuch eines Basares erwerbe ich einen „Knirps“. Der ist so billig, ob er den Tag überstehen wird sehen wir dann.

Jetzt muss ich erst mal noch zur Post, denn ich benötige eine Karte für die Entrichtung der Maut auf den Autobahnen der Türkei. Diese hätte man wohl auch bei der Einreise an der Grenze kaufen können, habe ich aber nicht. Und als Ausländer geht das nur auf einer Poststelle. Als ich höre wie aufwendig das ist, da gucke ich auch so wie der arme Türke:

Man muss einen Antrag ausfüllen, der nur auf Türkisch ist und es wird neben dem Ausweis auch der Fahrzeugschein benötigt. Was ein Akt! Mich kostet der Spaß 45 Türkische Lira (TL), wovon 15 bereits als Bearbeitungsgebühr drauf gehen. Also habe ich jetzt eine Art Prepaidkarte mit 30 TL zur Nutzung von Mautstraßen (meine Karte sieht ebenso aus wie die des Türken oben). Bei gutem Wetter hätte mich das wohl sehr geärgert, aber bei Regen ist es mir egal, dass ich fast 1 ½ Stunden auf der Post brauche. Ich erinnere mich an die Worte einiger anderer Globetrotter: „Deine Geduld wird bei Behörden in der Heimat später Grenzenlos sein…“. Ausgestattet mit meiner Maut Prepaidkarte und Briefmarken verlasse ich dann Nachmittags die Post Richtung Hostel.

Dort eingetroffen verbringe ich erst einmal Zeit damit Karten zu schreiben, viele Karten!
Wer eine Karte bekommt darf mir das dann hoch anrechnen, ich mag nicht Karten schreiben, überhaupt nicht! Ich bin gespannt wie viele von meinen fast 20 Karten es schaffen werden und wie lange diese benötigen.
Als der Regen dann noch mal nachlässt wage ich mich noch mal für die Tür.
Die Karten werden auf den Weg gebracht und als Belohnung gibt es früh Abendessen.
Heute wird es früh ins Bett gehen, denn ich habe mich für Morgen früh mit Holger verabredet, der es Gestern Abend auch endlich nach Istanbul geschafft hat.
Bei stärker werdendem Regen, welcher ein Trommelsolo auf meinem Fenster hinlegt, packe ich mein Zelt ein und sonst alles was schon weggepackt werden kann. Dann schlafe ich früh ein.
Dienstag, der 28.10.2014: Einmal Asien und zurück
Der Wecker, ja ausnahmsweise ein Wecker, klingelt um 7.30 Uhr.
Alle restlichen Sachen werden gepackt und es geht unter die Dusche. Anschließend bringe ich meine ganzen Sachen schon mal runter in den luggage room und checke aus.
Jetzt habe ich eine halbe Stunde um zu dem Treffpunkt mit Holger vor der blauen Moschee zu gelangen, absolut ausreichend also. Wieder laufe ich durch Regen, es ist ein Nieselregen mit einem kalten Lüftchen. Wir schaffen es, nicht an einander vorbei zu laufen und so gehen Holger und ich zu erst in die Blaue Moschee. Es ist ein beeindruckendes Bauwerk. Jetzt müssen wir einmal rum gehen, denn der Besuchereingang ist auf der anderen Seite, wo es für Frauen auch die Möglichkeit gibt ein Kopftuch zu erwerben. Wir Männer haben es einfacher, nur die Schuhe ausziehen.
Na ja, sagen wir mal Holger hatte es einfacher, denn er hat nur Radlersandalen an.

Meine riesen großen Treter passen selbst einzeln kaum in die Plastiktüten für die Schuhe, die man sich von der Roller abreißen kann. Selbst in manchen Supermärkten habe ich an der Gemüsetheke schon größere Tüten gesehen. Ich sehe lächerlich aus, als käme ich gerade vom shopping. Die dreckigen Schuhspitzen schauen oben aus den Tüten, aber was soll ich machen… Jetzt geht es hinein, WOW. Warum dieses Bauwerk auch blaue Moschee genannt wird ist sofort klar. Aber seht selbst, auch wenn die Bilder das nicht einfangen können. Die blauen und auch anders farbeigen Fließen glänzen vor sich hin!

Jetzt geht es weiter zur praktisch gegenüber liegenden Hagia Sophia.

Die Schlange die ich Morgens schon im Vorbeihuschen gesehen hatte ist länger geworden, viel viel länger! Holger und ich reihen uns also ein, wir werden hier sicherlich 1 ½ Stunden stehen müssen und das bei dem Wetter. Holger geht sich was zu naschen kaufen, da höre ich wie ein „Licensed Guide“ eine Norwegische Familie anspricht. Er erklärt ihnen, dass ein Audioführer drinnen 20 TL kostet und nicht halb so gut sei wie er, der auch nur 20 TL pro Nase verlangen würde. Der viel größere Vorteil aber, kein anstehen. Er würde einfach mit den Teilnehmern nach vorne durch gehen, die Karten kaufen und schnell durch die Sicherheitskontrolle drängeln. Die Familie nimmt an und sie wollen gerade entschwinden, da kommt Holger zurück, dem ich sofort erkläre was Sache ist. Wir hängen uns hinten dran und im Vorbeigehen an den Massen muss ich etwas schmunzeln. Vorne an den Kassen werden fix die Eintrittskarten erworben, dann geht es durch die Sicherheitskontrolle. Die ist lachhaft. Lose Sachen wie Rucksäcke und Tüten werden einmal durchleuchtet und man geht durch einen Metalldetektor. Das die Geräte andauernd Alarm schlagen, so wie auch bei mir, juckt keinen! So viel zu dem Thema Sicherheitskontrolle, ein Witz!

Als unsere 6 man starke Gruppe dann auf dem Gelände ist, erklärt uns unser Führer Cem erst einmal ein par Sachen bevor es hinein geht. Die Führung wird ca. 40 Minuten dauern und ich muss sagen, dass Cem diese wirklich sehr interessant gestaltet hat. Wieder einmal lerne ich viel. Das muss ich ja noch mal erwähnen. Auf dieser Reise so viel zu erfahren hatte ich nicht erwartet! Als wir durch sind drehen Holger und ich noch eine Runde, wir wollen noch Fotos machen:

Der Blick auf die Blaue Moschee von der Hagia Sofia aus:

An den Wänden und auch dem Boden. Die Marmorblöcke wurden in Scheiben geschnitten und dann passend zu einander ausgerichtet. Wie die das wohl damals schon konnten?:

Das Bauwerk hat viele Risse und ist nicht mehr überall ganz gerade.
Kann man dem Gebäude aber nicht verübeln bei dem Alter und einer Lage, in einer Region, in der sich die Erde auch ab und zu etwas bewegt:

 

Das Foto wurde nicht besonders schief aufgenommen, diese Stütze ist tatsächlich unfassbar schief.
Mich wundert es, dass dieses Bauwerk noch von alleine stehen kann:

Gegen 12 Uhr sind wir dann wieder vom Gelände, unsere Mägen melden sich.

Da ich ja ein gutes und vor allem günstiges Restaurant in der Nähe kenne, gehen wir dort noch essen. Es ist brechend voll, Mittagszeit halt. Das bestätigt aber auch erneut, dass es sich um einen sehr guten Laden handelt!

Nach dem Essen verabschiede ich mich von Holger, denn ich will ja gleich noch aufbrechen. Zurück am Hostel wird Kati beladen, dabei habe ich viele Zuschauer.

Ich komme mir ein wenig so vor, als würde ich einen modernen Esel bepacken.

Eine gute Stunde später als ursprünglich geplant geht es dann für mich los.

Tja, jetzt bin ich schon einmal in Istanbul, dann muss ich einfach einmal nach Asien rüber fahren, über eine Brücke, auf eigener Achse. Der Autobahnabschnitt welcher über die Brücke führt ist eine Katastrophe, so wie auch der Rest des Verkehrs. Ich fahre sicherlich 10 km Standstreifen, denn ich sehe nicht ein komplett durchnässt zu werden. Zugegeben, Anfangs folgte ich einfach einem anderen Motorrad und später einem Krankenwagen.

Dann muss ich noch meine Prepaidkarte für die Maut raus holen. Man fährt durch einen großen Torbogen wo überall Kameras hängen. Oben in der Mitte hängt eine Lampe, die meist grün blinkt. Rot wird diese wohl nur, wenn man nicht zahlt.

Ich halte meine Prepaidkarte hoch und es funktioniert. Die Lampe blinkt grün und ich bekomme angezeigt, dass mir gerade 3,40 TL abgebucht wurden. Was ein umständliches System! Dann ist es so weit, ich überquere den Bosphorus und bin in Asien, geil!

Das ist ein Fotoausschnitt, den ich von meinem Video gemacht habe.

Im Videobereich wird es dann auch bald mal das Video geben, nur ist mein Internet derzeit auf keinen Fall dazu in der Lage! Was für ein imposantes Gefühl auf diese Art und Weise zwischen den Kontinenten zu wechseln, abgefahren! Jetzt ist meine Reise keine Europareise mehr! Ab sofort gilt meine Reise als Weltreise, da ich ja nun einen zweiten Kontinent mit auf der Liste habe…
Aber jetzt muss ich leider schon wieder umdrehen, Heute muss ich ja noch meinen Campingplatz in Alexandroupolis erreichen und mein zweites Paket entgegen nehmen.
Erst gegen 15.20 Uhr verlasse ich das letzte Stadtgebiet Istanbuls.
Es ist schlechtes Wetter und sau kalt. 5°C zeigt mir meine Anzeige, aber durch den extrem starken Wind fühle ich mich wie bei 0°C. Die Griffheizung bollert schon auf der höchsten Stufe, es wird dunkel. Um 18 Uhr ist dann die Grenze in Sicht und ich bereite mich schon mal wieder vor, alles vorzuzeigen. „Ah Deutscher.“ sagt der erste, dem ich meine Papiere unter die Nase halte. „Schönen Abend noch.“ Naja, werden wir sehen.
Das Gelände der Grenze ist voll, es steppt der Bär!
Auf der Maschine sitzende friere ich mir einen ab, dann bin ich endlich mal wieder dran.
Erst mal die Polizeistation. Es wird gefragt wo ich war, was ich da wollte und wie lange ich da war.
Ich werde weiter geschickt, jetzt noch die Kontrolle des Zolls. Der Mitarbeiter sagt etwas auf türkisch zu mir, was ich nicht versteh. Als ich in verdutzt anschaue macht er das Handzeichen für Essen. Ich schüttle den Kopf und werde durch gewunken. Jetzt noch einmal die Dokumente beim verlassen des Geländes Zeigen und ich bin durch. Das war aber ja erst der Türkische Teil. Jetzt fahre ich wieder über eine lange Brücke und stehe im Stau. Ich drängle mich vor, zumindest bis zum Seuchebecken kann ich vorfahren.
Auch die Griechen wollen wissen was ich in der Türkei wollte und wo ich war.
Die Polizei winkt mich schnell weiter. Wenn ich nach Münster gefragt werde erkläre ich immer, dass es in der Nähe von Dortmund liegt. Da den verein fast jeder kennt ist das fast immer positiv und ich werde angelächelt. Dann werde ich beim Zoll etwas gefragt, was mich schon für meine Rückkehr nächstes Jahr böses ahnen lässt. Ob ich im Iran oder einem anderen Land gewesen wäre ist die Frage. Vor allem den Iran muss ich zwei mal verneinen. Also werde ich auf meinen Rückweg sicherlich alles auspacken dürfen und einige Fragen beantworten müssen.
Aber das lassen für den Moment erst mal das Problem des Zukunft Felix sein.
Ich drehe noch einmal am Gas und erreiche dann nach noch einmal 30 Minuten meinen Campingplatz. Jetzt bin ich auch echt erschöpft. 5 ½ Stunden habe ich Heute auf dem Motorrad verbracht. Nach dem aufbauen des Zeltes geht es noch für ein Stündchen in das Restaurant des Campingplatzes und es gibt ein Bier. Damit endet der Tag dann, wieder mal im Regen.
Mittwoch, der 29.10.14: Es fängt an zu nerven
Als ich wach werde höre ich wieder mal den Regen auf mein Zelt prasseln. So langsam bekomme ich einen Koller. Dieses miese sch*** Wetter. Eine Weile verbringe ich im Zelt. Als es etwas schwächer wird mache ich einen Spaziergang über den Campingplatz. Ausgestorben, nur meine Nachbarn und ich. Es scheinen Französsische Backpacker zu sein. Nach einem stück Brot lege ich mich wieder ins Zelt und schlafe einfach ein, für fast drei Stunden. Als ich wieder wach werde, na wer errät es? Regen. Jeder kennt es, wie schlechtes Wetter deprimieren kann, aber in meiner Situation ist das echt mies! Denn zum einen dauert es schon länger an und ich werde so die Gegend bis nach Izmir runter auch wohl kaum genießen können!
Ich schnappe mir den Laptop und meine Landkarten von der Türkei und dem Iran.
Jetzt sitze ich wieder mal in dem Restaurant und schaue raus auf schlechtes Wetter.
Morgen Vormittag werde ich auf jeden Fall wieder aufbrechen, auch wenn das Wetter vermutlich schlecht bleiben wird. Dann geht es wieder über die Grenze und dann runter zu den Dardanellen.
Ob die mit Hilfe des Computers merken werden, dass ich gerade vor zwei Tagen in der Türkei war frage ich mich. Denn dann werde ich mit Sicherheit extrem doof angeschaut werden und meine Story zig mal erzählen müssen. Hoffen wir mal, dass die einfach den Stempel in den Pass donnern, jetzt haben sie einen zum stempeln!
Über Troja und vielleicht noch die ein oder andere Sehenswürdigkeit geht es dann vermutlich bis Montag runter nach Izmir.

Weil ich etwas Zeit hatte jetzt hier mal ein Bild meiner bisherigen Route.

Alles weitere wird man dann sehen. Ich hoffe ja darauf, dass die nächste Woche vielleicht wieder besseres Wetter wird. 20°C brauche ich ja nicht, aber mal kein Regen und ein Stückchen blauer Himmel, das wäre echt eine angenehme Abwechslung…

Kurzer Nachtrag:
Ich bin mir nicht sicher, ob die „Follow by Email“ Sache funktioniert!!!
Falls nicht müsst ihr mir das bitte mitteilen und erst mal alle par Tage wieder rein schauen!

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